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Das Abenteuer selbstbestimmt zu Leben Mehrere Abende hintereinander
sitze ich vor dem Fernseher oder liege im Bett, wenn sie kommen, die
Gedanken. Hier vermischen sich Wirklichkeit also Gegenwart und Vergangenheit
mit der Zukunft, den Wünschen und Träumen. In diesem Bericht möchte
ich näher auf die noch frische Vergangenheit eingehen, denn in meinem Leben
hat vor nicht allzu langer Zeit ein Schnitt stattgefunden. Ich bin bei meinen
Eltern aus und in eine rollstuhlgerechte Berliner Wohnung eingezogen. Mein
Praktikum beim Theater „RambaZamba“, ein Theater für, von und mit behinderten
Menschen, hat mir sehr viele neue Erfahrungen, Erlebnisse, Kontakt zu
wunderbaren, netten Menschen geschenkt. Ich habe aber auch erfahren, wie
verschieden Menschen und Situationen auf dieselbe Person – in diesem Fall
mich – wirken können. Unterschiedliche Menschentypen sind in meinen Kreis
guter Bekannter und Freunde eingetreten Auch jetzt im Studium habe ich nette
Begleiter/innen getroffen und scheine meinen Platz langsam zu finden. Ich
merke jedoch immer wieder an verschiedenster Stelle, wie unglaublich stressig
und ungewohnt es für mich ist, mich in dem ständigen schnellen Wechsel von
z.B. direkt aufeinander folgenden Vorlesungen anzufreunden oder auch zu
entscheiden, was genau in diesem Moment die wichtigste Aufgabe ist, die gerade
jetzt getan werden muss. In meiner Freizeit und
Privatsphäre begleiten mich verschiedene Assistentinnen und Assistenten. Ich
hatte Glück, denn mir ist vom Sozialamt das „Persönliche Budget“ gewährt
worden, sodass ich mir meine Assistenz selbst einkaufen und entscheiden kann
wer wann wie lange wie oft und wofür eingesetzt wird. Einen großen Teil deckt ein ambulanter Pflegedienst ab.
Dieser hat jedoch keine auf die Minute genau festgelegten Stunden und
Abläufe, sondern funktioniert nach dem Prinzip, dass der Assistenznehmer
bestimmt, was wann in welcher Art und Abfolge getan wird. Selbstbestimmtes
Leben pur! Ob ich nun spazieren gehen will, einkaufe, in die Uni gehe, oder
Freunde treffe, ich bin meine eigene Frau und kann mich weitestgehend
selbstständig ausleben. Aber auch wenn es sich so leicht lesen lässt, so
einfach ist es nicht, seine Grenzen auszuloten, einzuhalten bzw. zu
überwinden. Wie weit kann man gehen? Wo ist Schluss? Wie kann ich diesen
Konflikt lösen? Oft ist das ein Konflikt mit mir selber. Und schließlich die
alles entscheidende Frage: Wie sagt man seiner Assistenz, was man gerade
braucht, ohne das es missverstanden wird? Ohne nicht mehr, als gewollt ist,
von seinem Privatleben preiszugeben? Eine weitere wichtige
Sache ist die Bezahlung und genaue Verabredung mit den Helfern. Wer bringt
mich wann dorthin und wer bringt mich wann wieder nach Hause. Wie kommen wir
dorthin bzw. wo genau trifft man sich und wie kann man sich erreichen? Immer
wenn ich irgendeine Kleinigkeit verschiebt, muss ich umdenken und anders
planen. So kostet mich jeder Tag eine Menge Energie und Kraft! Mein
Lebenstempo ist zwar in vieler Hinsicht langsamer, als das nichtbehinderter
Menschen, jedoch kommt es mir momentan vor, als wäre es dadurch auch
intensiver und sehr lebendig. Und weil der Mensch ein Mensch ist, drum darf
er einfach so sein, wie er will! Jeden der auch nur mit
dem Gedanken spielt, irgendwo ein eigenständiges Leben zu beginnen, kann ich
nur dazu ermutigen, denn es ist so schön, ein großes Stück weit unabhängig
und frei zu sein! Netzwerke zu knüpfen und dabei „Vitamin B“ voll
auszuschöpfen, sind meiner Ansicht nach hierbei der Schlüssel zum Erfolg! Ich
danke all meinen Unterstützern, besonders meinen Eltern und freue mich auf
weitere und hoffentlich erfahrungsreiche aufregende Jahre in Berlin! Hannah Furian Natürlich haben sich jetzt auch meine Anschrift und meine Telefonnummer geändert. Könnt ihr erfahren, wenn ihr mir eine Mail schreibt. Meine E-Mail-Adresse: hannah.furian@furian-heidelberg.de |
Im Winter 2009 am Weißen See in Berlin Im März 2010
habe ich zusammen mit meiner Mutter den Workshop „Vom Zauber des Loslassens“ auf einem Kongress durchgeführt. Bei
Interesse wiederholen wir ihn gerne: Wie wir unsere erwachsenen
behinderten Kinder in die Welt schicken können – begleiten und loslassen… Und
was dann passiert… hopelessly in love with life! |